Florida will 77-Jährigen hinrichten – Umfragen zeigen ein gespaltenes Land
Am Dienstag soll der 77-jährige William Reaves hingerichtet werden. Umfragen zeigen eine Mehrheit für die Todesstrafe, doch die Zustimmung sinkt – die Debatte ist neu entbrannt.

Symbolbild · Foto: Dept. of Corrections, Please provide photo credit to: Florida Department of Corrections/Doug Smith. / Wikimedia Commons, Public domain (zugeschnitten und skaliert)
Florida will am Dienstag, 20. Oktober, um 18 Uhr Ortszeit den 77-jährigen William Reaves hinrichten. Er wurde verurteilt, weil er im September 1986 bei Vero Beach den 29-jährigen Hilfssheriff Richard Raczkoski erschossen hatte, der auf einen Notruf reagiert hatte. Das Oberste Gericht Floridas wies am 14. Oktober einstimmig seine letzten Anträge zurück, darunter Einwände gegen das Gnadenverfahren und das Drei-Medikamente-Protokoll. Seine Familie bat Gouverneur Ron DeSantis um Gnade und verwies auf seinen Dienst in Vietnam und psychische Erkrankungen. Es wäre Floridas 18. Hinrichtung in diesem Jahr.
Nach einer NPR-Übersicht wurden 2026 bislang 31 Menschen in sechs Bundesstaaten hingerichtet, mehr als die Hälfte in Florida; 27 Staaten erlauben die Todesstrafe. Laut Pew unterstützen etwa zwei Drittel der Amerikaner sie bei Mord, 59 Prozent glauben aber nicht an eine abschreckende Wirkung. Gallup maß 2025 mit 52 Prozent Zustimmung den tiefsten Wert seit mehr als 50 Jahren. Laut Gallup ziehen 60 Prozent lebenslange Haft ohne Bewährung vor. Neu entfacht wurde die Debatte durch den Fall des Fort-Hood-Attentäters Nidal Hasan, dessen Hinrichtung für Dezember angesetzt ist: Laut ABC/Washington Post/Ipsos befürworten 52 Prozent sie, 80 Prozent lehnen eine Live-Übertragung ab, die Präsident Trump zunächst befürwortet und dann verworfen hatte.
Befürworter wie Tennessees Gouverneur Bill Lee betonen, die Entscheidung liege bei den Bürgern; die Todesstrafe sei „eine angemessene Strafe für die abscheulichsten Verbrechen“. Er äußerte sich nach zwei gescheiterten Hinrichtungsversuchen in Tennessee in diesem Jahr. Gegner verweisen auf Fehlurteile: Robin Maher vom Death Penalty Information Center nennt 203 Entlastete seit 1972. „Wir wissen nicht, wie viele Unschuldige hingerichtet wurden, bevor wir von ihren Einwänden erfuhren“, sagte sie. Der Historiker Daniel LaChance (Emory University) beschreibt die Zustimmung als „eine Meile breit und einen Zoll tief“.
