Gas für den Notfall: Von der Leyen wirbt für eine strategische EU-Gasreserve
Nach dem Vorbild der Ölvorräte soll ein Puffer gegen Lieferausfälle und Preisspitzen entstehen. Doch Finanzierung und Zuständigkeit sind offen, die Idee gemeinsamer Einkäufe stößt auf wenig Begeisterung.

Grafik: TERRA WORLD NEWS (eigene Darstellung nach den genannten Quellen)
Angesichts des Kriegs im Iran hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eine strategische Gasreserve auf EU-Ebene vorgeschlagen. Die Staats- und Regierungschefs hätten beim Gipfel in Brüssel am 15. und 16. Oktober darüber beraten, berichtet das bulgarische Portal Banker.bg unter Berufung auf drei Diplomaten und zwei EU-Beamte, die mit Politico sprachen. Die Reserve soll – ähnlich wie bestehende Ölvorräte – als langfristiger Puffer gegen Lieferunterbrechungen und Preisspitzen dienen.
Offen sind laut dem Bericht zentrale Fragen: wer die Reserve bezahlt, wem das Gas gehört, unter welchen Bedingungen es freigegeben und wie es verteilt wird und ob Brüssel oder nationale Stellen sie verwalten. Bisher setzt die EU beim Befüllen der Speicher auf Marktanreize, die durch die hohen Preise infolge des Nahost-Konflikts geschwächt sind. Deutschland prüft nach dem Bericht eine eigene strategische Reserve, die Niederlande subventionieren Energiekäufe mit fast einer Milliarde Euro. Den Vorschlag gemeinsamer EU-Energieeinkäufe nahmen die Staats- und Regierungschefs laut Diplomaten ohne Begeisterung auf.
Belgiens Premier Bart De Wever sagte, die Gaspreise in seinem Land seien seit Jahresbeginn um 70 Prozent gestiegen. Die Kommission erwägt zudem befristete Hilfen für energieintensive Branchen wie Chemie und Stahl sowie Maßnahmen zur Stärkung der Raffineriekapazitäten in Europa.
