Lagarde: Steigende Anleiherenditen bremsen Wachstum – und damit auch die Inflation
Die EZB-Präsidentin sieht verschärfte Finanzierungsbedingungen im Euroraum. Bundesbankchef Nagel warnt dagegen, die Inflation sei noch nicht besiegt. Im Dezember wird eine weitere Zinserhöhung erwartet.

Archivbild · Foto: European Parliament from EU / Wikimedia Commons, CC BY 2.0 (zugeschnitten und skaliert)
EZB-Präsidentin Christine Lagarde rechnet damit, dass die weltweit gestiegenen Anleiherenditen die Teuerung im Euroraum dämpfen. Höhere Kreditkosten würden das Wachstum und damit auch die Inflation bremsen, sagte sie am Samstag in Bangkok vor Notenbankern und Finanzministern, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Die Finanzierungsbedingungen hätten sich seit der letzten EZB-Sitzung verschärft. Dadurch werde der Durchschlag der kriegsbedingt höheren Treibstoffpreise auf andere Preise geringer ausfallen als in der September-Prognose angenommen.
Die Inflation im Euroraum war im September auf 3,8 Prozent gestiegen, getrieben vor allem von Energie. Die EZB hat ihre Leitzinsen in den vergangenen vier Monaten zweimal um jeweils 0,25 Prozentpunkte angehoben. Laut Reuters wird für Dezember ein weiterer Schritt erwartet, der den Leitzins auf 2,75 Prozent bringen würde – ein Niveau, das die EZB als restriktiv ansieht. Einen festen Zinspfad nannte Lagarde nicht; die Entscheidungen blieben datenabhängig.
Bundesbankpräsident Joachim Nagel sagte, die Inflation sei noch nicht besiegt, die EZB müsse womöglich mehr tun. EZB-Ratsmitglied Olli Rehn sieht bislang keine Zweitrundeneffekte bei Preisen und Löhnen, warnte aber, diese könnten sich „leise wie eine Katze auf Socken“ einschleichen. Lagarde äußerte sich zudem zu Belastungen bei privaten Kreditfonds: Diese meldeten Abflüsse, die Banken im Euroraum seien aber nur begrenzt direkt engagiert.
