PIK-Studie: Wer von Klimaschutz verliert, erwirtschaftet nur 6 % der Weltleistung
Eine Analyse von 169 Ländern in Nature Sustainability zeigt: 19 fossilabhängige Staaten drohen Verluste – viele Länder des Globalen Südens würden besonders profitieren.

Grafik: TERRA WORLD NEWS (eigene Darstellung nach den genannten Quellen)
Der Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle ist für die Weltwirtschaft unter dem Strich vorteilhaft – das legt eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) nahe, die im Fachjournal Nature Sustainability erschienen ist und am 15. Oktober vorgestellt wurde. Das Team um Erstautorin Guanna Pan und PIK-Direktor Ottmar Edenhofer bewertete für 169 Länder vier Vermögensgrößen: Einnahmeverluste durch sinkende Nachfrage nach Öl, Gas und Kohle, vermiedene Klimaschäden, das Potenzial für Wind- und Solarstrom sowie die Fähigkeit, Kohlenstoff in Wäldern und bewirtschafteten Naturflächen zu speichern.
Die Länder fallen in fünf Gruppen. 19 fossilabhängige Staaten müssten mit erheblichen Verlusten rechnen; sie stehen für rund 6 Prozent der Weltwirtschaftsleistung. Drei Gewinnergruppen kommen zusammen auf etwa 13 Prozent: 51 Länder überwiegend im Globalen Süden, die besonders von vermiedenen Klimaschäden profitieren, 13 Länder mit großem Ökostrompotenzial, überwiegend in Afrika, und 17 mit hoher Speicherkapazität für Kohlenstoff. 69 Volkswirtschaften mit mäßigen Effekten, darunter die USA, China und die EU, erwirtschaften rund 81 Prozent.
Die Ergebnisse beruhen auf Modellrechnungen für moderate und ambitionierte Klimaschutzszenarien bis Mitte und Ende des Jahrhunderts, ausgedrückt als Anteil am abgezinsten kumulierten BIP; Unsicherheitsbereiche nennt die Pressemitteilung nicht. Gewinne aus Erneuerbaren und Kohlenstoffspeicherung sind monetäre Bewertungen, keine realisierten Erträge; Widerstand der Verlierer-Länder ist eine mögliche, keine beobachtete Folge. Die Autoren schlagen Paketlösungen vor, etwa Handels- oder Forschungszusagen oder Ausgleichszahlungen für zögernde Staaten. Klimapolitik entwerte nicht nur Vermögen, sondern bewerte den Kapitalstock von Volkswirtschaften „neu und nachhaltig“, so Edenhofer.
