Frankreich nach dem Protesttag: 1200 Festnahmen, Macron kündigt harte Strafen an
Rund 550.000 Menschen gingen laut Innenministerium gegen hohe Lebenshaltungskosten auf die Straße. Am Rand kam es zu Plünderungen, Brandstiftung und Angriffen auf Rathäuser.

Foto: Jorge Jaramillo / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
Der landesweite Protesttag am Samstag ist in Frankreich in schwere Ausschreitungen gemündet. Nach Angaben von Innenminister Laurent Nuñez beteiligten sich rund 550.000 Menschen an Kundgebungen in zahlreichen Städten, die Gewerkschaft CGT sprach von 800.000. Gewerkschaften, Gelbwesten und Schüler protestierten gemeinsam gegen steigende Lebenshaltungskosten und Spritpreise sowie für bessere Schulen. Premierminister Sébastien Lecornu meldete am Abend rund 1200 Festnahmen und mehr als 150 verletzte Polizisten; frühere Angaben des Innenministeriums hatten bei etwa 400 Festnahmen gelegen.
Nach Berichten von Euronews und Reuters wurden in Paris, Marseille, Nizza, Bordeaux und Lille Dutzende Geschäfte geplündert, in Paris brannten Autos. In Marseille und Lille drangen Protestierende in die Rathäuser ein, in Lyon wurde das Touristenbüro angezündet, in Limoges das historische Rathaus. In Saint-Étienne verlor ein Demonstrant nach Angaben einer Polizeiquelle gegenüber AFP eine Hand durch eine Polizeigranate. Die Pariser Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Bürgermeister Emmanuel Grégoire sagte, in der Hauptstadtregion seien „ganze Straßen verwüstet“ worden.
Präsident Emmanuel Macron schrieb auf X: „Kein Platz für Gewalt in unserer Republik.“ Wer Präfekturen, Geschäfte und Rathäuser angegriffen habe, werde verfolgt und bestraft. Lecornu machte „Ultralinke“ und Kriminelle für die Gewalt verantwortlich und erklärte, friedliche Demonstrationen hätten ihren Platz, Brandstiftung und Plünderungen nicht. Die Polizeigewerkschaft UNSA klagte, Beamte würden als „Boxsäcke“ benutzt. Die Proteste fallen in eine Phase, in der die Regierung einen Sparhaushalt durch ein Parlament ohne Mehrheit bringen will; in rund sechs Monaten wird ein Nachfolger Macrons gewählt.
