Westjordanland: Maskierte Siedler greifen europäische Diplomaten an
Bei der Olivenernte nahe Taybeh wurden Diplomaten aus Belgien, Frankreich und Polen attackiert, ein französischer Bürgermeister zu Boden geworfen. Belgien fordert EU-Sanktionen.

Symbolbild · Foto: Abraham Sobkowski OFM / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 (zugeschnitten und skaliert)
Maskierte israelische Siedler haben am Samstag nahe dem palästinensischen christlichen Dorf Taybeh im besetzten Westjordanland eine Gruppe europäischer Diplomaten angegriffen. Nach Angaben des belgischen Außenministers Maxime Prévot waren unter den Betroffenen Belgiens Generalkonsul für die palästinensischen Gebiete, französische und polnische Diplomaten sowie Vertreter der katholischen Kirche. Sie hatten palästinensische Bauern bei der Olivenernte besucht. Laut Al-Jazeera-Reporterin Nour Odeh umringten die Angreifer die Fahrzeuge, warfen Steine und schlugen Scheiben ein; ein belgisches Auto wurde beschädigt.
Der französische Bürgermeister Bernard Baudoux aus Aulnoye-Aymeries, der sich aus Solidarität an der Ernte beteiligte, sagte, er sei „gewaltsam angegriffen“ und zu Boden geworfen worden. Prévot schrieb, die Straflosigkeit gewalttätiger Siedler müsse enden, und kündigte an, sich für EU-Sanktionen einzusetzen. Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot verlangte die Festnahme der Täter, Polens Außenamtssprecher Maciej Wewiór nannte Angriffe auf Diplomaten „absolut inakzeptabel“.
Israels Außenminister Gideon Saar verurteilte den Angriff und sprach von „israelischen Randalierern“, merkte aber an, der Besuch hätte mit der Armee abgestimmt werden sollen. Das Büro von Premier Netanjahu warnte vor „voreiligen Schlüssen“. Die Polizei ermittelt, Festnahmen wurden zunächst nicht gemeldet. Bereits am Freitag war eine US-Fotojournalistin der Washington Post bei Siedlerangriffen verletzt worden; Al Jazeera zufolge wurden seit Anfang Oktober rund 300 Angriffe während der Erntezeit dokumentiert.
