Brasilien vor der Stichwahl: Beide Lager wollen den Gegner ausschließen lassen
Drei Tage vor der Stichwahl liegen Flávio Bolsonaro und Präsident Lula in Umfragen gleichauf. Vor Gericht beantragen beide Seiten, die Kandidatur des jeweils anderen zu annullieren.

Archivbild · Foto: Agência Senado from Brasilia, Brazil / Wikimedia Commons, CC BY 2.0 (zugeschnitten und skaliert)
Brasilien wählt am Sonntag, 25. Oktober, in einer Stichwahl seinen Präsidenten – und das Rennen ist offen. In einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des Instituts Quaest kommt der rechte Herausforderer Flávio Bolsonaro von der Liberalen Partei auf 45 Prozent, Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva von der Arbeiterpartei auf 44 Prozent, innerhalb der Fehlermarge von zwei Punkten. Im ersten Wahlgang hatte Bolsonaro, Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro, 47,03 Prozent der gültigen Stimmen erhalten, Lula 45,16 Prozent.
Kurz vor der Wahl tragen beide Lager ihren Streit auch vor Gericht aus. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua beantragte Bolsonaros Kampagne am Dienstag, Lulas Kandidatur für ungültig zu erklären. Lulas Bündnis reichte am Mittwoch beim Obersten Wahlgericht einen Antrag ein, Bolsonaros Kandidatur zu annullieren und ihn für acht Jahre von Ämtern auszuschließen. Es wirft ihm laut der „Rio Times“ Missbrauch wirtschaftlicher Macht und eine Bevorzugung durch die Plattformen Meta und X vor. Beide Verfahren laufen noch.
Bei einem Fernsehduell am vergangenen Sonntag versprach Lula laut Xinhua, das Wirtschaftswachstum zu sichern, die öffentliche Sicherheit mit einem eigenen Ministerium zu stärken und die Souveränität des Landes zu verteidigen. Bolsonaro will kriminelle Banden als narkoterroristische Organisationen einstufen, mehr Gefängnisplätze schaffen und die Staatsschulden senken. Zudem will er Unternehmen und Privatleuten bei der Umschuldung helfen.
