Rechtsextreme „Active Clubs“: Zahl der Kampfsportgruppen fast verdoppelt
Die Bundesregierung kennt inzwischen rund 20 rechtsextreme „Active Clubs“, die über Fitness und Kampfsport junge Männer anwerben. Mitte 2024 waren es etwa ein Dutzend. Die Grünen werfen ihr einen „Zirkelschluss“ vor.

Grafik: TERRA WORLD NEWS (eigene Darstellung nach den genannten Quellen)
In Deutschland gibt es deutlich mehr rechtsextreme Kampfsportgruppen als noch vor zwei Jahren. Der Bundesregierung sind inzwischen rund 20 regionale sogenannte Active Clubs bekannt, im Juni 2024 war noch von etwa einem Dutzend die Rede. Das geht aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor, über die das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtete und die auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Vor allem im Jahr 2026 sei die Zahl deutlich gestiegen, heißt es darin. Das Konzept stammt aus den USA; über Fitness- und Kampfsporttraining sollen vor allem junge Männer für die Szene gewonnen werden.
Das Ministerium sieht weiter ein Gewalt- und Gefährdungspotenzial. Regelmäßiges Kampfsporttraining und die Inszenierung von Härte in martialischen Videos und Beiträgen deuteten auf eine „Professionalisierung der Gewaltkompetenz“ hin. Direkte Auseinandersetzungen mit politischen Gegnern würden derzeit nicht beobachtet. Die Gruppen seien stark abgeschottet, versuchten aber aktiv, junge Männer zu rekrutieren. Hinweise auf Verbindungen deutscher Gruppen zu ausländischen Active Clubs gibt es nach Angaben der Regierung bislang nicht; eine internationale Vernetzung sei künftig aber nicht auszuschließen.
Die Grünen-Abgeordnete Marlene Schönberger kritisierte, die Regierung könne weder die Zahl von Straftaten aus dem Umfeld der Gruppen nennen noch sogenannte Gefährder in ihren Reihen benennen, weil die Clubs bislang kaum strafrechtlich aufgefallen seien. Sie sprach gegenüber dem RND von einem „gefährlichen Zirkelschluss“: „Dass die Szene unter dem Radar bleiben will, ist der Kern ihres Konzepts und kein Beleg für ihre Harmlosigkeit.“ Schönberger forderte, die Active Clubs und rechtsextreme Jugendgruppen auf die Tagesordnung der Innenministerkonferenz im Dezember zu setzen.
Quellen
- ZDFheute Newsticker: Mehr rechtsextreme „Active Clubs“, 22.10.2026
- Audimax.de: Rechtsextreme Active Clubs – Kampfsport wird professioneller, 21.10.2026
- Deutscher Bundestag (hib): Grünen-Fraktion thematisiert „Active Clubs“, 05.10.2026
- TRT Deutsch (Agenturen): Immer mehr rechtsextreme Kampfsport-Netzwerke in Deutschland, 22.10.2026
