Zweiter Jet verrät Schwarzes-Loch-Paar – Kollision womöglich in 100 Jahren
Bonner Radioastronomen entdecken im Zentrum der Galaxie Mrk 501 einen zweiten Jet. Er deutet auf ein zweites supermassereiches Schwarzes Loch – beide könnten schon in rund einem Jahrhundert verschmelzen.

Symbolbild · Foto: Raimond Spekking / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
Ein Team des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie in Bonn hat im Kern der Galaxie Mrk 501 einen zweiten, bisher unsichtbaren Jet gefunden. Nach Angaben der Forschenden ist das der erste direkte Bildnachweis eines solchen Systems im Zentrum einer Galaxie – und ein starkes Indiz für ein zweites supermassereiches Schwarzes Loch. Einzeln auflösen lassen sich die beiden nicht, dafür liegen sie zu nah beieinander. Die Studie erschien in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society.
Ausgewertet wurden Radiobeobachtungen auf mehreren Frequenzen an Dutzenden Tagen über rund 23 Jahre. Das Paar umkreist sich demnach etwa alle 121 Tage, im Abstand des 250- bis 540-Fachen der Entfernung Erde–Sonne. Die Massen schätzt das Team auf 100 Millionen bis eine Milliarde Sonnenmassen; je nach tatsächlicher Masse könnten die Schwarzen Löcher schon in etwa 100 Jahren verschmelzen.
„Die Auswertung der Daten fühlte sich an wie auf einem Schiff. Das gesamte Jet-System ist in Bewegung“, sagt Erstautorin Silke Britzen. Das Paar sollte extrem niederfrequente Gravitationswellen aussenden, die sich mit Pulsar-Timing-Arrays nachweisen lassen. Co-Autor Héctor Olivares sagt, dann könne man womöglich sogar sehen, wie ihre Frequenz stetig steigt, während die beiden Riesen auf die Kollision zusteuern.
