Kreuzberg: LKA durchsucht queeres Projekt – Protest mit 130 Menschen
Die Polizei geht dem Verdacht nach, dass Hormontherapien ohne ärztliche Aufsicht stattfanden. Nach der Durchsuchung kam es bei einer Spontanversammlung zu Reibereien, eine Person kam kurz in Gewahrsam.

Symbolbild · Foto: Dickelbers / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
Das Berliner Landeskriminalamt hat am Sonntagabend ein queeres Projekt in Kreuzberg durchsucht. Nach Polizeiangaben besteht der Verdacht auf Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz: In dem Gebäude sollen Hormontherapien zur Geschlechtsangleichung ohne ärztliche Aufsicht durchgeführt worden sein. Die Ermittler stellten nach eigenen Angaben Beweismittel sicher. Laut taz waren 38 Beamte der Schutz- und Kriminalpolizei im Auftrag der Staatsanwaltschaft im Einsatz; die Personalien von mindestens 21 Menschen seien aufgenommen worden, ihnen werde laut einem Beamten jedoch nichts vorgeworfen.
Nach Angaben der Betreiber setzt sich das Projekt für einen besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung für trans, inter, nicht-binäre und queere Menschen ein. Es hält nach eigener Darstellung das deutsche Gesundheitssystem für diskriminierend und will traditionelle mit konventionellen Behandlungen verbinden. Eine Stellungnahme des Projekts zu den konkreten Vorwürfen lag in den Berichten zunächst nicht vor; weitere Details zu den Ermittlungen sind nicht bekannt.
Noch am Abend versammelten sich rund 130 Menschen spontan unter dem Motto „Hormone für alle“. Dabei kam es zu Reibereien zwischen Teilnehmenden und Einsatzkräften, eine Person wurde vorübergehend in Gewahrsam genommen. Berlins Queerbeauftragter Alfonso Pantisano war vor Ort. Eine Besucherin des Projekts sagte der taz: „Die Polizei-Razzia ist ein Angriff auf unsere Community.“
Quellen
- Tagesspiegel (dpa): „Hormone für alle“: 130 Menschen demonstrieren in Berlin nach LKA-Durchsuchung, 19.10.2026
- taz: Durchsuchung in Berlin-Kreuzberg: Polizei razzt queeres Zentrum, 19.10.2026
- t-online Berlin: „Hormone für alle“: 130 Menschen gehen nach LKA-Razzia in Kreuzberg auf die Straße, 19.10.2026
