Per KI aufpoliert: Dating-Apps ringen mit geschönten Profilfotos
Neues Outfit, andere Frisur, selbstbewusstere Haltung: Manche Singles lassen ihre Dating-Fotos von KI bearbeiten. Hinge, Bumble und Match Group ziehen eine Grenze – dort, wo getäuscht wird.

Symbolbild · Foto: Dennis Cortés / Wikimedia Commons, CC0 (zugeschnitten und skaliert)
Generative KI verändert, wie sich Menschen auf Dating-Apps präsentieren. Der US-Sender CBS News berichtete am 14. Oktober über Singles in den USA, die Profilbilder mit Programmen wie ChatGPT oder dem Bilddienst Aragon.ai bearbeiten oder neu erzeugen lassen – von dezent veränderter Kleidung und Frisur bis zu Fotos an Orten, an denen die Person nie war. Eine Dating-Beraterin aus New York sagte dem Sender, sie lasse etwa Outfits, Frisuren oder eine unsicher wirkende Körperhaltung per KI verändern; den Wunsch eines Kunden, seinen Kopf auf den Körper eines Marathonläufers zu setzen, habe sie abgelehnt. Ein Mann, dessen KI-erzeugtes Foto auf einer Dachterrasse bei Hinge viele Likes bekam, wurde gesperrt; er erhielt sein Konto zurück und löschte das Bild. Zahlen dazu, wie verbreitet solche Fotos sind, nennt der Bericht nicht.
Kathryn Coduto, Assistenzprofessorin an der Boston University, die zu Dating-Apps forscht, sagte CBS: „Bislang interessieren sich Männer stärker für KI im Dating-Bereich, was nicht überraschend ist.“ Frauen bekämen mehr Matches und Nachrichten, Männer hätten es schwerer aufzufallen. Zugleich habe KI die Menschen „vorsichtiger und skeptischer“ gegenüber Fremden gemacht. Hinge erlaubt KI-Bilder grundsätzlich, sie dürften aber nicht genutzt werden, „um sich selbst oder die eigenen Absichten falsch darzustellen“. Bumble verbietet künstlich erzeugte oder bearbeitete Fotos, die andere täuschen sollen, und setzt nach eigenen Angaben KI-Werkzeuge, menschliche Moderation, Verifizierung und Meldungen von Mitgliedern ein – bis hin zur dauerhaften Sperre. Match Group, Mutterkonzern von Tinder und Hinge, erklärte, Nutzer wünschten sich mehr Transparenz, Authentizität und die Gewissheit, dass ein echter Mensch am anderen Ende sei.
Bumble hatte bereits im Juli 2024 eine eigene Meldeoption für Profile eingeführt, die mutmaßlich KI-erzeugte Fotos oder Videos verwenden, wie TechCrunch damals berichtete; im Februar 2024 war das Werkzeug „Deception Detector“ gegen gefälschte Profile gestartet. Nach Angaben des Unternehmens gingen Meldungen über Spam, Betrug und Fake-Profile danach um 45 Prozent zurück – eine Zahl, die nicht unabhängig überprüft ist. Die Plattformen unterscheiden damit zwischen erlaubter Bildbearbeitung und Täuschung; wo genau die Grenze verläuft, bleibt im Einzelfall eine Frage der Moderation.
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