Kleinzelliger Lungenkrebs: Antikörper-Kombination verlängert Überleben deutlich
In der Studie DeLLphi-305 lebten Patienten mit Tarlatamab plus Durvalumab im Median 21,1 Monate, mit Durvalumab allein 12,7 Monate. Eine Zulassung für die Kombination nennen die Hersteller noch nicht.

Symbolbild · Foto: Happi Raphael / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
Für Menschen mit fortgeschrittenem kleinzelligem Lungenkrebs gibt es neue Studiendaten. Auf dem Krebskongress ESMO 2026 in Madrid wurden am 24.10.2026 Ergebnisse der Phase-III-Studie DeLLphi-305 vorgestellt und zugleich im New England Journal of Medicine veröffentlicht, wie das Fachportal OncLive sowie AstraZeneca berichteten. 563 Erwachsene mit kleinzelligem Lungenkrebs im ausgedehnten Stadium, deren Erkrankung nach vier Zyklen Chemotherapie mit Platin und Etoposid plus Durvalumab nicht fortgeschritten war, erhielten als Erhaltungstherapie entweder den Antikörper Durvalumab (Imfinzi) allein oder zusätzlich Tarlatamab (Imdelltra). Tarlatamab ist laut AstraZeneca ein bispezifischer Antikörper: Er bindet an das Eiweiß DLL3 auf den Tumorzellen und an CD3 auf T-Zellen und bringt so Abwehrzellen an den Krebs heran. Sponsor der Studie ist laut AstraZeneca Amgen; AstraZeneca beteiligte sich an der Finanzierung und stellte Imfinzi bereit.
In einer geplanten Zwischenanalyse lebten Patienten mit der Kombination im Median 21,1 Monate, mit Durvalumab allein 12,7 Monate; das Sterberisiko sank um 58 Prozent (Hazard Ratio 0,42). Nach einem Jahr lebten laut AstraZeneca schätzungsweise 79 gegenüber 53 Prozent der Patienten. Die Zeit bis zum Fortschreiten der Krankheit verlängerte sich im Median von 1,9 auf 7,4 Monate, der Vorteil zeigte sich auch bei Patienten mit Hirn- oder Lebermetastasen. Jacob Sands vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston, der die Daten vorstellte, sagte laut OncLive, die Ergebnisse stützten die Kombination als neuen Standard für die Erhaltungstherapie in der Erstlinie.
Häufigste besondere Nebenwirkung war ein Zytokin-Freisetzungssyndrom, eine überschießende Immunreaktion: Es trat laut OncLive bei 49,6 Prozent der Patienten mit Kombination auf, meist leicht, ein Fall war schwer (Grad 3). Schwere behandlungsbedingte Nebenwirkungen hatten 20,9 gegenüber 10,8 Prozent, 3,2 Prozent brachen Tarlatamab deshalb ab. Nach den ersten Dosen werden Patienten überwacht, in Europa laut AstraZeneca 6 bis 8 Stunden. Kleinzelliger Lungenkrebs macht nach Herstellerangaben rund 15 Prozent aller Lungenkrebsfälle aus, im ausgedehnten Stadium liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei 3,6 Prozent. Eine Zulassung der Kombination nennt die Mitteilung nicht; über Behandlungen entscheiden Betroffene gemeinsam mit ihrem onkologischen Team.
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