Bots, KI-Videos, Wähler-Apps: Israels Wahlkampf wird zum digitalen Kräftemessen
Kurz vor der Wahl am Dienstag setzen Lager in Israel umgedeutete Bot-Netze, KI-Videos und Apps zur Wählermobilisierung ein. Forscher warnen vor wachsender Polarisierung.

Archivbild · Foto: Clema12 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
Vor der Parlamentswahl in Israel am Dienstag prägen Bots, KI-generierte Videos und Daten-Apps den Wahlkampf, wie Al Jazeera am Sonntag berichtete. Nach einem Bericht der Zeitung Haaretz wurden Dutzende Bot-Konten, die ursprünglich gegen die iranische Regierung gerichtet waren, umfunktioniert: Sie werben nun für Regierungschef Benjamin Netanjahu und den Likud und warnen vor Gadi Eisenkot und Naftali Bennett.
Auch KI-Videos kursieren auf X: Finanzminister Bezalel Smotrich verbreitete ein Video, in dem die Präsidentin des Obersten Gerichts, ein Richter und die Generalstaatsanwältin von einer Demonstration weggeschleift werden. Polizeiminister Itamar Ben-Gvir teilte Clips, die Menschen aus Gaza als Esel darstellen. Für den Wahltag selbst nutzt der Likud nach Haaretz-Angaben die App „Victory 26“, mit der Aktivisten Gegenden mit geringer Beteiligung finden und Nichtwähler gezielt ansprechen können; eine Vorgänger-App hatte der Zentrale Wahlausschuss aus Datenschutzgründen eingeschränkt.
„KI, Algorithmen und Datenmanagement werden genutzt, um die sogenannte affektive Polarisierung zu zementieren“, sagte der Wahlforscher Roi Zur von der Universität Essex. Kleinere Parteien beklagen ungleiche Mittel: Man konkurriere mit Parteien mit weit größeren Budgets und technischen Ressourcen, „besonders dem Likud“, sagte Mauricio Lapchik von der Gemeinsamen Liste. Umfragen sehen das Netanjahu-Lager und die Opposition unter Eisenkot gleichauf.
