Studie: 3 Prozent der Gletscher verursachen mehr als die Hälfte des Eisverlusts
Gletscher, die in Seen, im Meer oder an Schelfeis enden, verloren 2000–2019 rund 134 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr. Besonders schnell schrumpfen laut der Studie Seegletscher.

Symbolbild · Foto: NASA photograph by John Sonntag/Operation IceBridge / Wikimedia Commons, Public domain (zugeschnitten und skaliert)
Nur rund 3,2 Prozent der Gletscher weltweit enden in einem See, im Ozean oder an einem Schelfeis. Auf sie entfällt aber mehr als die Hälfte des gesamten Eisverlusts der Gletscher, die großen Eisschilde Grönlands und der Antarktis nicht eingerechnet. Das berichtet ein Team der Universitäten Birmingham und Leeds in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ (23.10.2026). Demnach verloren diese Gletscher zwischen 2000 und 2019 im Mittel rund 134 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr. Zugleich bedecken sie mehr als die Hälfte der weltweiten Gletscherfläche. Ausgewertet wurden Daten zu 216.502 Gletschern.
Die Forschenden ordneten jeden Gletscher danach ein, wo er endet – an Land, in einem See, im Meer oder an einem Schelfeis – und ergänzten bestehende Verzeichnisse um die in Seen endenden Gletscher. Anschließend verglichen sie Fließgeschwindigkeit und Massenverlust und rechneten Klima, Größe und Höhenlage heraus. Seegletscher verlieren im Verhältnis zu ihrer Größe demnach rund 57 Prozent mehr Eis als Gletscher an Land und fließen etwa 10 Prozent schneller; im Meer endende Gletscher fließen rund 44 Prozent schneller. „Gletscher, die in Seen enden, stechen wirklich heraus: Sie verlieren besonders schnell Eis“, sagte Joe Mallalieu, der die Arbeit in Birmingham durchführte und heute in Leeds forscht.
Die Studie ist eine Rückschau auf bereits erhobene Daten für 2000 bis 2019, keine Projektion für die Zukunft. Unsicherheitsbereiche für die Kernzahlen nennt die Mitteilung der Universität nicht. Warum Seegletscher so schnell schrumpfen, ist laut Mallalieu noch offen – es könne an den Seen selbst, an Größe und Form der Gletscher oder an beidem liegen. „Wenn wir diese Datensätze zusammenführen, können wir vergleichen, wie sich Gletscher in unterschiedlichen Umgebungen verhalten“, sagte Nicholas Barrand von der Universität Birmingham.
