Berlin --:--Montag, 26. Oktober 2026
LIVE
KlimaNACHRICHTENFAKTENKONTEXT
Klima ·

Modellstudie: Atlantische Umwälzströmung kann sich erholen – Grönlands Eis nicht

In einem Klimamodell aus Dänemark und Schweden schwächt sich die AMOC stark ab, erholt sich aber, wenn die Erwärmung zurückgeht – erst nach Jahrhunderten. Ein unbeteiligter Forscher ist skeptisch.

Symbolbild: Der Golfstrom auf einer Karte der Meeresoberflächentemperatur (NOAA)

Symbolbild · Foto: NOAA / Wikimedia Commons, Public domain (zugeschnitten und skaliert)

Die Atlantische Umwälzströmung (AMOC), ein großes Strömungssystem im Atlantik, schwächt sich bei starker Erwärmung in einem neuen Computermodell deutlich ab, kippt aber nicht unumkehrbar. Das berichten Forschende des Dänischen Meteorologischen Instituts (DMI) und des Schwedischen Meteorologischen und Hydrologischen Instituts (SMHI) um Erstautor Chuncheng Guo in der Fachzeitschrift „Science Advances“ (14.10.2026).

Das Team nutzte das Erdsystemmodell EC-Earth3-ESM-1, das Atmosphäre, Ozean, Meereis und den grönländischen Eisschild koppelt. In einem Stresstest ließ es die globale Temperatur um 7 Grad steigen – weit mehr, als aktuelle Projektionen erwarten – und kehrte die Erwärmung danach im Modell um. Die Strömung sank dabei von rund 17 auf etwa 6 Millionen Kubikmeter pro Sekunde, also um fast zwei Drittel. Einen Punkt ohne Wiederkehr erreichte die AMOC in keinem Szenario: Sie schwächte sich allmählich ab und begann sich zu erholen, sobald die Temperaturen sanken, wobei das mehrere Jahrhunderte dauern könnte. Das Eis Grönlands kehrte dagegen nicht zurück; schon nach 1,5 Grad Erwärmung erwartet die Studie langfristig rund 20 Zentimeter Meeresspiegelanstieg durch Grönlands Schmelze.

Die Ergebnisse sind Modellprojektionen aus einem einzigen Modell; der Abgleich mit anderen Modellen steht laut den Autoren noch aus. Die nötige Abkühlung, um die Abschwächung umzukehren, übersteigt zudem heutige technische Möglichkeiten. Willem Huiskamp vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), nicht an der Studie beteiligt, nannte eine stabilere AMOC eine gute Nachricht, bezweifelte aber, dass die reale Strömung so stabil ist, wie manche Modelle nahelegen. In einer PIK-Modellstudie in „Communications Earth & Environment“ (März 2026) erholte sich die AMOC nach einer durch Süßwasserzufuhr ausgelösten Abschaltung bei CO2-Konzentrationen ab 350 ppm nicht mehr. „Es ist eine viel, viel sicherere Strategie, die Erwärmung gar nicht erst entstehen zu lassen“, sagte Guo.

Mehr aus dem Ressort

← Klima