Brasilien vor der Stichwahl: Umfragen sehen Patt zwischen Lula und Flávio Bolsonaro
Am Sonntag entscheiden die Brasilianer über ihren Präsidenten. Laut Datafolha liegen Amtsinhaber Lula und Herausforderer Flávio Bolsonaro gleichauf, Lula setzt auf neue Sozialleistungen.
Foto: Felipe Savazi (via BrunoGuedes1) / Wikimedia Commons, CC BY 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
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Vor der Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien am Sonntag, 25. Oktober, ist das Rennen völlig offen. Eine am Donnerstagabend veröffentlichte Umfrage des Instituts Datafolha sieht Präsident Luiz Inácio Lula da Silva und Senator Flávio Bolsonaro bei je 50 Prozent der gültigen Stimmen; befragt wurden 2154 Menschen, die Fehlermarge liegt bei zwei Punkten. Andere am Freitag veröffentlichte Umfragen sehen mal den einen, mal den anderen knapp vorn, etwa Real Time Big Data mit 52 zu 48 für Bolsonaro und Vox Brasil mit 50,6 zu 49,4 für Lula. Im ersten Wahlgang hatte Bolsonaro mit 47 Prozent zwei Punkte vor Lula gelegen. Für Freitagabend war ein letztes TV-Duell beim Sender Globo angesetzt.
Der 80-jährige Lula, der eine vierte Amtszeit anstrebt, hat nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AP im Wahlkampf zahlreiche staatliche Maßnahmen auf den Weg gebracht. Eine Erhöhung der Sozialhilfe Bolsa Família um 15 Prozent für knapp 50 Millionen Menschen trat in der Wahlwoche in Kraft. Hinzu kommen ein 30-tägiger Wegfall von Bundessteuern auf Benzin, Kreditentlastungen für kleine Unternehmen und ein Gesetzentwurf für kostenlosen Nahverkehr am Wochenende. Der Kongress billigte zudem die Verkürzung der Arbeitswoche von 44 auf 40 Stunden ohne Lohnverlust, die auch Bolsonaro spät im Wahlkampf unterstützte. Kritiker sprechen laut AP von einem klassischen populistischen Instrument, Lula sagte dagegen, Veränderung dürfe nicht bedeuten, Menschen ihre Rechte zu nehmen.
Der 45-jährige Senator Flávio Bolsonaro ist der Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro, eines Verbündeten von US-Präsident Donald Trump. Beide Lager haben beim Obersten Wahlgericht den Ausschluss des Gegners beantragt. Flávio Bolsonaro wirft Lula Machtmissbrauch durch Regierungsbotschaften über einen offiziellen WhatsApp-Kanal vor, Lulas Team beschuldigt den Konzern Meta, Bolsonaro zu bevorzugen, was Meta zurückweist. Jair Bolsonaro verbüßt eine Haftstrafe von 27 Jahren wegen eines Putschversuchs nach seiner Wahlniederlage 2022. Der Sieger der Stichwahl tritt sein Amt am 5. Januar 2027 an.
