Offshore-Wind: Acht Länderchefs warnen Reiche vor Verlust von 23.000 Jobs
In einem Brief fordern acht Ministerpräsidenten Korrekturen am Windenergie-auf-See-Gesetz. Unternehmen sollen unrentable Flächen einmalig zurückgeben dürfen.
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Acht Regierungschefs der Länder haben sich in einem gemeinsamen Schreiben an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) gewandt und deutliche Änderungen an ihrer geplanten Reform des Windenergie-auf-See-Gesetzes verlangt. Das berichteten die Nachrichtenagenturen Reuters und dpa-AFX am Freitag; auch das „Handelsblatt“ hatte über den Brief berichtet. Neben den Küstenländern Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sowie den Stadtstaaten Hamburg und Bremen gehören nach dpa-Angaben auch Bayern, Baden-Württemberg und das Saarland zu den Unterzeichnern; Reuters nennt zusätzlich Nordrhein-Westfalen. Die Länder sehen „dringenden Handlungsbedarf“ im laufenden Gesetzgebungsverfahren und stützen damit den Bundesrat, der am 16. Oktober die Streichung des zweistufigen Verfahrens gefordert hatte.
Laut dem Schreiben könnten bei einem Stocken des Ausbaus binnen vier Jahren rund 23.000 von 49.000 Arbeitsplätzen in der Offshore-Windbranche verloren gehen, verbunden mit Umsatzeinbußen von etwa 24 Milliarden Euro. Die Länder fordern eine „einmalige, klar konditionierte und rechtssichere Rückgabemöglichkeit“ für bereits ersteigerte Flächen, deren Projekte sich wirtschaftlich nicht mehr rechnen. Diese sollen anschließend rasch neu ausgeschrieben werden. Das geplante zweistufige Verfahren, bei dem Flächen zunächst ohne staatliche Preisabsicherung vergeben werden, lehnen sie ab: „Die vorgesehene Zweistufigkeit ist schädlich und sollte ersatzlos gestrichen werden“, heißt es nach Reuters-Angaben in dem Brief. Das Ziel von 70 Gigawatt bis 2045 müsse verlässlich bleiben.
Hintergrund ist das stark gesunkene Interesse an Ausschreibungen in Nord- und Ostsee. Für zwei Nordsee-Flächen mit zusammen 2,5 Gigawatt gingen im August 2025 keine Gebote ein, die diesjährigen Ausschreibungen wurden auf 2027 verschoben. Die Branche verweist auf stark gestiegene Finanzierungs-, Material- und Projektkosten. Reiche hatte Anfang September erklärt, die Reform solle Kosteneffizienz, Investitionssicherheit und industrielle Widerstandsfähigkeit stärken; die bisherigen Regeln hätten riskante Gebote begünstigt, ohne den Bau sicherzustellen. Der Bundesverband Windenergie Offshore (BWO) schätzt, dass mit jedem fehlenden Gigawatt rund 3,5 Milliarden Euro an Auftragsvolumen auf dem Spiel stehen.
