Brent zeitweise über 115 Dollar – Aramco räumt Zentrale in Dhahran
Brent erreicht den höchsten Stand seit Anfang Mai und steuert auf das dritte Wochenplus in Folge zu. Treiber sind die Kämpfe zwischen Huthi und Saudi-Arabien.
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Der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent ist am Freitag auf den höchsten Stand seit mehr als fünf Monaten gestiegen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters kostete ein Barrel (159 Liter) gegen 13.00 Uhr GMT 114,99 Dollar, 1,71 Dollar oder 1,5 Prozent mehr als am Vortag. Zwischenzeitlich wurden 115,16 Dollar erreicht, so viel wie seit dem 4. Mai nicht mehr. Brent steuerte damit auf ein Wochenplus von 4,4 Prozent zu – das dritte in Folge. Die US-Sorte WTI verteuerte sich um 1,8 Prozent auf 101,27 Dollar, lag auf Wochensicht aber leicht im Minus. Bereits am Donnerstag hatte Brent laut dem Fachdienst Rigzone um drei bis vier Prozent zugelegt.
Auslöser sind nach Reuters-Angaben die Angriffe der jemenitischen Huthi-Miliz in Saudi-Arabien, die Sorgen vor weiteren Lieferausfällen im Nahen Osten schüren. Der Ölkonzern Saudi Aramco ließ laut Reuters angesichts der eskalierenden Kämpfe seine Zentrale in Dhahran räumen. Hinzu kommen ein geschlossenes Pipelineventil in Libyen, das die Förderung zweier Ölfelder drosselt, sowie ein Ölteppich vor der Küste von Umm al-Kaiwain in den Vereinigten Arabischen Emiraten, dessen Ursache das dortige Umweltministerium nicht nannte. „Der Markt bleibt besorgt über eine mögliche Eskalation“, sagte UBS-Analyst Giovanni Staunovo laut Reuters.
Naeem Aslam von Zaye Capital Markets hält laut Rigzone bei einer weiteren Verschärfung der Lage Preise in Richtung 120 Dollar für möglich; diplomatische Fortschritte oder eine schwächere Nachfrage könnten Brent dagegen auf 105 bis 110 Dollar zurückführen. Tamas Varga vom Broker PVM Oil Associates erwartet, dass sich die gegenseitigen Angriffe auf Energieanlagen fortsetzen. Für Europa ist der Anstieg besonders heikel: Nach Einschätzung von Claudio Galimberti vom Analysehaus Rystad Energy treffen hohe Energiepreise China und Europa stärker als die USA, die selbst ein großer Öl- und Gasproduzent sind.
