Gletscher: Tageswetter im Modell hebt Meeresspiegel-Prognose um 5 bis 10 Prozent
Eine Nature-Communications-Studie von ETH Zürich und VUB simuliert über 12.500 Gletscher Tag für Tag statt monatlich – und ergibt mehr Eisverlust bis 2100.

Symbolbild · Foto: Alexkom000 / Wikimedia Commons, CC BY 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
Ein Team um Erstautor Lander Van Tricht (ETH Zürich, WSL und Vrije Universiteit Brussel, VUB) hat zusammen mit den Glaziologen Matthias Huss und Harry Zekollari das globale Gletschermodell GloGEM so erweitert, dass es mit täglichen statt monatlichen Wetterdaten rechnet. Die Studie erschien am 19. Oktober 2026 in Nature Communications. Erfasst sind mehr als 12.500 Gletscher mit 94 Prozent des weltweiten Gletschereisvolumens.
Abgleich mit Messungen: Die Tagesversion bildet beobachtete Massenverluste in Extremjahren besser ab – 2022 und 2026 in den Alpen, 2023 im Westen Nordamerikas, 2024 auf Spitzbergen und 2025 in Zentralasien. Wenige sehr warme Tage können die schützende Schneedecke abtragen und dunkleres Eis freilegen, das schneller schmilzt. „Gletscher reagieren nicht auf Monatsmittel, sondern auf das Wetter, das sie jeden einzelnen Tag erleben“, sagte Van Tricht.
Projektion: Für das 21. Jahrhundert ergibt das Tagesmodell einen um 5 bis 10 Prozent höheren Beitrag der Gletscher zum Meeresspiegelanstieg als die Monatsversion. Das ist ein Modellergebnis; absolute Werte in Millimetern und die zugrunde gelegten Emissionsszenarien nennen die Mitteilungen nicht. Laut Zekollari verschieben sich zudem Zeitpunkt und Stärke des Schmelzwasserabflusses – wichtig für Millionen Menschen, die auf Gletscherwasser angewiesen sind.
