Ein Jahr Waffenruhe in Gaza: Über 1.400 Tote, kein Wiederaufbau, Streit um Entwaffnung
Am 10. Oktober 2025 trat in Gaza eine Waffenruhe in Kraft. Ein Jahr später ist Trumps 20-Punkte-Plan nur teilweise umgesetzt, die humanitäre Lage bleibt prekär.

Archivbild · Foto: Jaber Jehad Badwan / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
Ein Jahr nach Beginn der Waffenruhe in Gaza am 10. Oktober 2025 ist Donald Trumps 20-Punkte-Plan einer Bilanz von Al Jazeera zufolge nur in Teilen umgesetzt. Die Hamas ließ alle lebenden Geiseln frei, Israel entließ palästinensische Gefangene. Im November erkannte der UN-Sicherheitsrat den von Trump geschaffenen „Friedensrat“ als Übergangsverwaltung an. Im September stellte dieser einen Wiederaufbauplan über 2,4 Milliarden Dollar vor – Hilfsorganisationen schätzen den Bedarf auf rund 70 Milliarden Dollar.
Nach den von Al Jazeera zusammengetragenen Zahlen wurden seit Beginn der Waffenruhe mehr als 1.400 Palästinenser getötet. Statt der benötigten 600 Lastwagen mit Hilfsgütern erreichen nach Angaben des Hunger-Monitors IPC täglich rund 227 den Gazastreifen; etwa 1,4 Millionen Menschen droht laut IPC bis mindestens Dezember Hunger. Israel kontrolliert rund 60 Prozent des Gebiets statt der vereinbarten 50 Prozent; Verteidigungsminister Israel Katz sagte, die Armee werde „niemals vollständig abziehen“. Eine internationale Stabilisierungstruppe ist bislang nicht stationiert.
Zentraler Streitpunkt bleibt die Entwaffnung: Die Hamas erklärte sich bereit, Waffen an das palästinensische Verwaltungskomitee zu übergeben, lehnt die Entwaffnungsklausel aber ab. Israel will erst zur zweiten Phase übergehen, wenn die Hamas entwaffnet ist, und nannte die angekündigte Auflösung ihrer Gaza-Regierung einen „Trick“. Das Verwaltungskomitee arbeitet von Kairo aus, weil Israel es nicht nach Gaza lässt. Simon Mabon, Professor an der Universität Lancaster, hält den Friedensrat für „gescheitert“.
