Seehofer rechnet mit Merz ab: „Massiver Glaubwürdigkeitsverlust“
Der frühere CSU-Chef Horst Seehofer wirft dem Kanzler gebrochene Wahlversprechen vor. Die Kritik kommt am Tag, an dem die CDU-Spitze zur Krisenklausur zusammenkommt.

Archivbild · Foto: H-stt / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
Der frühere CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) scharf kritisiert. „Friedrich Merz hat durch den Bruch von Wahlversprechen einen massiven Glaubwürdigkeitsverlust erlitten“, sagte der 77-Jährige laut dts der „Bild am Sonntag“. Als Beispiel nannte er das Sofortprogramm von CDU und CSU, das an erster Stelle eine Senkung der Stromsteuer für alle versprochen habe. „Passiert ist nichts“, so Seehofer.
„Das Vertrauen in ein authentisches Handeln ist die wichtigste Stellgröße in der Politik. Die hat Merz nicht“, sagte Seehofer weiter. Er forderte mehr Tatkraft und weniger Expertenkommissionen. Der Union warf er vor, die finanziellen Belastungen der Bürger nicht entschieden genug zu bekämpfen – etwa die kalte Progression, die selbst kleine Lohnerhöhungen auffresse.
Besonders scharf kritisierte der frühere Bundesminister Äußerungen aus der CDU, die Deutschen arbeiteten zu wenig. Er fragte, was das für eine Pflegekraft bedeute, die bereits Nacht- und Wochenendschichten leiste. Das Interview erscheint an dem Tag, an dem das CDU-Präsidium zu einer zweitägigen Klausur zusammenkommt, um nach den Wahlniederlagen einen Weg aus der Krise zu finden.
