Hebron abgeriegelt: Israel beginnt Militäreinsatz – Netanjahu kündigt Großoffensive an
Nach dem Tod zweier Soldaten durchsuchen Armee und Schin Bet die Stadt. Netanjahu droht mit einem Einsatz, wie es ihn seit 1967 nicht gab – vier Tage vor der Wahl.
Foto: Baraa Zm / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
Video: YouTube · Associated Press · youtube.com
Nach einem tödlichen Angriff auf einen Kontrollpunkt bei Hebron hat die israelische Armee einen mehrtägigen Einsatz in der Stadt im besetzten Westjordanland begonnen. Zwei palästinensische Angreifer hatten am Freitag nach Armeeangaben zwei israelische Soldaten getötet und drei weitere verletzt; beide wurden in einem rund 20-minütigen Feuergefecht erschossen. Die Hamas bekannte sich nicht zu der Tat, lobte sie aber. Laut Times of Israel durchsuchen Armee, Inlandsgeheimdienst Schin Bet und Grenzpolizei das Gebiet und wollen „viele Dutzend Verdächtige“ befragen. Der Einsatz sei auf das Gebiet der Angreifer begrenzt. Über Hebron mit mehr als 200.000 Einwohnern und umliegende Orte wurde eine Abriegelung verhängt.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte bei einem Besuch vor Ort, zunächst werde das Viertel der Angreifer geräumt, Haus für Haus durchsucht und die „terroristische Infrastruktur“ zerstört. Darüber hinaus kündigte er eine sehr breit angelegte Operation im Westjordanland an, wie es sie seit dem Sechstagekrieg 1967 nicht gegeben habe; den Zeitpunkt lege die Armee fest. Laut AFP will die Armee dabei ein Modell anwenden, das sie im Januar 2025 in Flüchtlingslagern im nördlichen Westjordanland eingesetzt hatte; nach UN-Angaben wurden damals Tausende vertrieben. Der rechtsextreme Minister Bezalel Smotrich forderte eine großangelegte Offensive „genau wie in Gaza“, sein Kabinettskollege Itamar Ben-Gvir die Auflösung der Palästinensischen Autonomiebehörde. Für eine Verbindung der Behörde zu dem Angriff gibt es laut AFP keine Belege.
Netanjahu bezeichnete den Angriff als Versuch, die Parlamentswahl am Dienstag zu beeinflussen. Sein wichtigster Herausforderer, der frühere Generalstabschef Gadi Eisenkot, lobte den Einsatz der Soldaten. Nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP auf Grundlage palästinensischer Gesundheitsdaten haben israelische Sicherheitskräfte und Siedler seit Beginn des Gaza-Kriegs im Oktober 2023 im Westjordanland 1.117 Palästinenser getötet. Mindestens 51 Israelis kamen im selben Zeitraum bei palästinensischen Angriffen oder Militäreinsätzen ums Leben.
