Albanien: Handgemenge im Parlament – Studentenproteste gehen in zehnten Tag
Weil die Parlamentsführung eine Debatte über die Proteste verweigerte, gingen Abgeordnete von Regierung und Opposition aufeinander los. Vor dem Gebäude demonstrierten erneut zahlreiche Studenten.

Archivbild · Foto: Pasztilla aka Attila Terbócs / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
Im albanischen Parlament in Tirana ist es zu Handgreiflichkeiten zwischen Abgeordneten der Opposition und der regierenden Sozialisten gekommen. Auslöser war nach Angaben von Euronews die Weigerung der Parlamentsführung, eine Debatte über die seit Tagen andauernden Studentenproteste anzusetzen. Oppositionsabgeordnete blockierten das Rednerpult, schlugen auf die Tische und hielten Fotos von Studenten hoch, die nach ihren Angaben bei früheren Protesten von der Polizei verletzt worden waren. Einige Abgeordnete stießen sich gegenseitig, rissen Mikrofone aus den Tischen und warfen mit Gegenständen. Die Sitzung wurde dennoch fortgesetzt, Abstimmungen über Gesetze fanden statt.
Vor dem Parlament gingen die Proteste der Studenten in den zehnten Tag in Folge. Einige Demonstranten rissen Absperrgitter nieder, mehrere Universitätsprofessoren schlossen sich der Kundgebung an. Die Studenten fordern niedrigere Studiengebühren, mehr staatliche Investitionen in die Bildung und ein Ende der Korruption im Bildungswesen. Inzwischen richtet sich die Bewegung auch gegen die Regierung und verlangt den Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama. Seit fast zwei Wochen kommt es in der Innenstadt immer wieder zu Zusammenstößen: Demonstranten warfen Steine, Fackeln und Brandsätze, die Polizei setzte Schlagstöcke, Wasserwerfer und Tränengas ein.
Rama hatte nach einem Treffen mit Lehrern und Schulvertretern erklärt, die Unruhen seien ein Versuch, die Regierung mit Gewalt zu stürzen, und einen Rücktritt abgelehnt. Berechtigte Anliegen würden von Leuten ausgenutzt, die zur Gewalt anstachelten, sagte er laut Euronews.
