Scheinehen gegen Geld: US-Justiz klagt mutmaßlichen Heiratsring in Massachusetts an
Über zehn Jahre sollen jährlich bis zu 20 Scheinehen arrangiert worden sein, damit Einwanderer ein Aufenthaltsrecht bekommen. Sechs Menschen sind angeklagt – es gilt die Unschuldsvermutung.

Archivbild · Foto: ajay_suresh / Wikimedia Commons, CC BY 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
Die US-Bundesstaatsanwaltschaft für Massachusetts hat am 21. Oktober sechs Personen aus dem Bundesstaat angeklagt, die einen Ring für Scheinehen betrieben haben sollen. Fünf von ihnen wurden am Morgen festgenommen; die sechste Person verbüßt nach Angaben der Behörde bereits eine Haftstrafe in einer anderen Sache. Laut Anklage soll eine Frau das Geschäft mehr als zehn Jahre lang geführt und im Schnitt 18 bis 20 Scheinehen pro Jahr arrangiert haben.
Die Kunden – Einwanderer ohne gesicherten Aufenthaltsstatus – sollen pro Ehe rund 38.000 bis 40.000 Dollar gezahlt haben, getarnt als „Darlehensverträge“; die Anklage nennt eine Bar-Anzahlung von 3.000 Dollar sowie monatliche Zahlungen von 500 Dollar an den zugewiesenen Ehepartner. Vier Beschuldigte, alle US-Staatsbürger, sollen gegen Bezahlung geheiratet haben, damit die Ehepartner bei der Einwanderungsbehörde USCIS Anträge stellen konnten; Lebensversicherungen, gemeinsame Konten und gestellte Fotos sollten die Ehen echt wirken lassen. Axios beziffert die Einnahmen auf mindestens sechs Millionen Dollar, die laut Anklage teils in Immobilien und Firmen in der Dominikanischen Republik flossen. Mehrere Beschuldigte sollen zudem bei Anträgen auf Lebensmittelhilfe (SNAP) verschwiegen haben, verheiratet zu sein.
Vorgeworfen werden Heiratsbetrug und die Beherbergung von Ausländern ohne Aufenthaltsrecht sowie die Verschwörung dazu; darauf stehen bis zu fünf bzw. zehn Jahre Haft je Anklagepunkt. „Was für ein Affront muss das hier heute enthüllte mutmaßliche Verhalten für diejenigen sein, die sich an die Regeln halten“, sagte US-Staatsanwältin Leah Foley laut Boston.com. Die Ermittlungen dauern an; die Einwanderer, die die Ehen eingingen, sind laut Boston.com bislang nicht angeklagt. Die Beschuldigten gelten als unschuldig, bis ihre Schuld vor Gericht zweifelsfrei bewiesen ist.
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