Ärzte warnen: Geschlechtskrankheiten betreffen alle Altersgruppen
In Bulgarien haben sich die Gonorrhö-Fälle im Vergleich zum Vorjahr fast verdreifacht. Eine Venerologin aus Sofia warnt, dass Infektionen alle Altersgruppen treffen – auch Daten aus Deutschland zeigen ältere Patienten.

Archivbild · Foto: Dimitǎr Boevski / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
Sexuell übertragbare Infektionen sind längst kein Thema nur für junge Menschen. Darauf weist Prof. Snezhina Vasileva hin, Dermatovenerologin an der Universitätsklinik „Alexandrovska“ und Dozentin an der Medizinischen Universität Sofia. In einem Beitrag des Fachportals MedReport, den der Sender Efir 2 am 18. Oktober übernahm, heißt es, das Alter ziehe keine klare Grenze mehr beim Risiko. Als Gründe nennt sie mehr Reisen und leichtere Kontakte, häufiger wechselnde und ungeschützte Kontakte sowie ein unterschätztes Risiko. Zudem bleibe die Sexualität bis ins höhere Alter aktiv – auch dank Potenzmitteln und weil für manche ältere Frauen das Schwangerschaftsrisiko entfällt. Bessere Diagnostik wie Schnelltests mache außerdem mehr Fälle sichtbar.
Die Zahlen aus Bulgarien sind deutlich: Die Direktorin des Nationalen Zentrums für Infektions- und Parasitenkrankheiten, Prof. Iva Hristova, berichtete im Juli im Sender Bulgaria ON AIR im Vergleich zum Vorjahr von einem Anstieg der Syphilis-Fälle von 187 auf über 240, bei Gonorrhö von 50 auf 140 und bei urogenitalen Chlamydien von knapp 100 auf gut 200. Am stärksten betroffen seien die 20- bis 30-Jährigen. Auch in Deutschland verschiebt sich das Bild: Eine Auswertung von rund 84.000 Meldungen des Robert Koch-Instituts aus den Jahren 2019 bis 2025 – erstellt vom Erotikportal Erobella, also keine wissenschaftliche Studie – ergab laut dem Portal GGG.at ein Medianalter von 41 Jahren bei Syphilis-Diagnosen; fast jede dritte Neudiagnose betrifft Menschen über 50. Pro Kopf ist das Risiko aber weiterhin bei den 25- bis 39-Jährigen am höchsten.
Viele dieser Infektionen verlaufen anfangs ohne Beschwerden und werden so unbemerkt weitergegeben; Scham und fehlendes Wissen verzögern den Arztbesuch zusätzlich. Vasileva rät zu frühen Tests – beim Hausarzt oder direkt beim Dermatovenerologen. Medikamente zur HIV-Vorsorge (PrEP und PEP) schützen nicht vor bakteriellen Infektionen wie Syphilis, Gonorrhö oder Chlamydien; die Einnahme des Antibiotikums Doxycyclin nach Risikokontakten (Doxy-PEP) wirft die Frage nach Resistenzen auf. Gegen Hepatitis B und HPV kann man sich impfen lassen – die HPV-Impfung ist in Bulgarien inzwischen auch für Jungen verfügbar.
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