Antibiotikum nach dem Sex: Australien zählt deutlich weniger Syphilis-Fälle
Seit Australien die Doxy-PEP empfiehlt, gab es bei schwulen und bisexuellen Männern 55 Prozent weniger Syphilis- und 35 Prozent weniger Chlamydien-Diagnosen als erwartet. Bei Tripper kein signifikanter Effekt.

Symbolbild · Foto: NIAID / Wikimedia Commons, CC BY 2.0 (zugeschnitten und skaliert)
Bei der sogenannten Doxy-PEP nehmen Menschen das Antibiotikum Doxycyclin nach ungeschütztem Sex ein, um bakterielle Geschlechtskrankheiten zu verhindern. Wie stark das im Alltag wirkt, hat ein Team um Forscher des Burnet Institute und der La Trobe University in Melbourne untersucht. Die Studie erschien am 21. Oktober 2026 im Fachjournal „Nature Health“. Ausgewertet wurden Routinedaten von 78.560 schwulen und bisexuellen Männern ab 16 Jahren, die sich zwischen Januar 2022 und Dezember 2025 in 29 Sexualgesundheitszentren und Arztpraxen des australischen ACCESS-Netzwerks testen ließen. Australien gehörte laut aidsmap zu den ersten Ländern, die die Doxy-PEP empfahlen; nationale Empfehlungen erschienen im Herbst 2023.
Die Forscher verglichen die tatsächlichen Diagnosen nach der Empfehlung mit dem Verlauf, der ohne sie zu erwarten gewesen wäre. Statt der projizierten 5.403 Syphilis-Fälle wurden 2.430 gezählt – ein Rückgang um 55 Prozent. Bei Chlamydien waren es 13.676 statt 21.280 Diagnosen, rund 35 Prozent weniger. Bei Gonorrhö (Tripper) fand sich keine signifikante Veränderung. In 16 der Kliniken stieg der Anteil der Doxycyclin-Rezepte mit Doxy-PEP-Anweisung von 0,04 auf 27,7 Prozent. „This is the first time, other than COVID, that we've really seen these declines in more than 10 or 15 years“, sagte Erstautor Michael Traeger vom Burnet Institute laut aidsmap bereits bei der Vorstellung erster Ergebnisse auf der Welt-Aids-Konferenz im August – solche Rückgänge habe man außer während Corona seit mehr als 10 oder 15 Jahren nicht gesehen.
Die Autoren nennen selbst Grenzen: Ob einzelne Männer die Doxy-PEP tatsächlich nutzten, ließ sich nicht erfassen; die Daten zeigen daher Zusammenhänge auf Bevölkerungsebene, keinen ursächlichen Beweis. Zudem bilden die beteiligten Kliniken vor allem Menschen ab, die ohnehin regelmäßig zum Test gehen, und andere Verhaltensänderungen können mitspielen. Angaben zur Finanzierung lagen der Redaktion nicht vor. Laut aidsmap gilt vor allem bei Gonorrhö die Sorge vor Antibiotika-Resistenzen; hier sei die Doxy-PEP kein sehr wirksames Mittel, die Resistenzfrage müsse weiter erforscht werden.
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Rechts-, Steuer-, Finanz- oder medizinische Beratung. Angaben mit dem genannten Datenstand.
