Russlands Eskalation: EU räumt ein, dass ihre Ukraine-Hilfe nicht reichen wird
Im Kiewer Haushalt 2027 klafft eine Lücke von 78 Milliarden Dollar. Brüssel plant 45 Milliarden Euro aus dem EU-Kredit ein und sucht weitere Quellen – von russischem Vermögen bis zu London, Ottawa und Tokio.

Archivbild · Foto: Mihai Barbu / Wikimedia Commons, CC BY 4.0 (zugeschnitten und skaliert)
In der EU wächst nach einem Bericht von Euronews die Einsicht, dass die bisherige Unterstützung für die Ukraine nicht ausreichen könnte. Der im vergangenen Jahr vereinbarte Kredit über 90 Milliarden Euro sollte rund zwei Drittel des Kiewer Bedarfs für 2026 und 2027 decken – unter der Annahme, dass der Krieg 2026 endet. Der ukrainische Finanzminister Serhij Martschenko nannte den Haushalt 2027 den schwierigsten seit Beginn der Vollinvasion und rief die Geber auf, eine Lücke von 78 Milliarden Dollar (70 Milliarden Euro) zu schließen. Die Kommission will im kommenden Jahr 45 Milliarden Euro aus dem Kredit bereitstellen.
EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis räumte eine „beträchtliche Finanzierungslücke“ für 2027 ein; die EU prüfe andere Optionen. Eine Gruppe von Staaten will die Nutzung eingefrorener russischer Vermögenswerte wiederbeleben, doch Belgien, wo der Großteil liegt, wehrt sich, Frankreich und Italien zögern. Neue gemeinsame Schulden gelten als politisch unattraktiv, höhere nationale Beiträge würden vor allem Deutschland, die Niederlande und die nordischen Länder belasten. Brüssel drängt Großbritannien, Kanada und Japan, mehr beizutragen.
Hintergrund sind verstärkte russische Angriffe: In Kramatorsk sollen beim Einschlag einer Gleitbombe in zwei Busse mehr als 30 Menschen getötet worden sein, am Donnerstag fiel in Kiew der Strom aus. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach von Kriegsverbrechen. Die Ukraine steht am Montag auf der Tagesordnung der EU-Außenminister und beim EU-Gipfel am 15. und 16. Oktober in Brüssel.
