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Long Read: Wie Raye vom Label-Streit zum Mercury Prize kam

Erst durfte sie kein Album veröffentlichen, nun hat sie mit ihrem zweiten den wichtigsten britischen Albumpreis gewonnen. Eine Einordnung von „This Music May Contain Hope“.

Beim Abspielen wird das Video von YouTube (Google) geladen.

Foto: Raph_PH / Wikimedia Commons, CC BY 2.0 (zugeschnitten und skaliert)

Video zur Single: YouTube · RAYE · youtube.com

Als Raye am Donnerstagabend in der Utilita Arena in Newcastle den Mercury Prize 2026 entgegennahm, sagte sie: „Ich bin so dankbar, das hier zu halten. Ich zittere.“ Die Jury unter Vorsitz von Jeff Smith zeichnete ihr zweites Album „This Music May Contain Hope“ für seine Größe, seine Struktur, seinen Ehrgeiz und seinen Charme aus. Raye setzte sich unter anderem gegen Paul McCartney, Suede, Dave, Olivia Dean und Florence + The Machine durch. Der seit 1992 vergebene Preis für das beste Album aus Großbritannien und Irland ist mit 25.000 Pfund dotiert.

Der Sieg hat eine Vorgeschichte. Laut Rolling Stone UK verließ die Britin einst ihr Label, nachdem sie ihm vorgeworfen hatte, sie ihr Debütalbum nicht veröffentlichen zu lassen. Dieses Album, „My 21st Century Blues“, erschien 2023 und brachte ihr bei den BRIT Awards 2024 sechs Preise ein – Rekord für eine Künstlerin oder einen Künstler an einem Abend, darunter Album des Jahres und als erste Frau Songwriterin des Jahres. Auf Instagram schrieb sie nach dem Mercury-Sieg, sie habe lange mit dem Narrativ gelebt, „niemand würde sich dafür interessieren, wenn ich ein Album veröffentliche“.

„This Music May Contain Hope“ erschien am 27. März 2026 auf ihrem eigenen Label Human Re Sources. Das Album hat 17 Titel, läuft 73 Minuten und ist nach den vier Jahreszeiten aufgebaut. Es mischt Big-Band-Jazz, Funk und Pop; an „Click Clack Symphony“ wirkte Filmkomponist Hans Zimmer mit, auf „Fields“ ist Rayes Großvater zu hören. Die Leadsingle „Where Is My Husband!“ erreichte im Januar 2026 Platz eins in Großbritannien – das Video ist hier zu sehen.

Kommerziell war es ihr erstes Nummer-eins-Album in Großbritannien, in Deutschland stieg es auf Platz drei ein. Die Kritik war überwiegend begeistert, Metacritic weist 87 von 100 Punkten aus. Gelobt wurden Ehrgeiz, Bandbreite und Stimme; einige Rezensenten fanden das Album überladen, The Guardian störte sich an gesprochenen Passagen.

Gerade die Länge machte die Jury zum Argument: Raye zeige „echte Fantasie und Bandbreite darin, was ein Album sein kann“. Raye selbst sagte laut MusicRadar: „Alben sind so wichtig.“ In einer Branche, die nur Singles jage, sei sie dankbar für die Anerkennung. Und über den Titel: „Hoffnung ist ein sehr kitschiges Wort, besonders für uns Briten“ – aber Hoffnung brauche jeder, „und Musik ist Medizin“.

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