Darmkrebs im Stadium III: USA lassen erstmals Immuntherapie nach der Operation zu
Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat Atezolizumab (Tecentriq) plus Chemotherapie für Patienten mit einer bestimmten Form von Darmkrebs zugelassen. In der Studie halbierte sich das Rückfallrisiko.

Grafik: TERRA WORLD NEWS (eigene Darstellung nach den genannten Quellen)
Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat am 8. Oktober 2026 den Wirkstoff Atezolizumab (Handelsname Tecentriq) des Pharmakonzerns Roche für eine neue Anwendung zugelassen: als sogenannte adjuvante Behandlung nach der Operation bei Dickdarmkrebs im Stadium III. Das Mittel wird zusammen mit einer Chemotherapie aus einem Fluoropyrimidin und Oxaliplatin gegeben. Die Zulassung gilt nur für Tumoren mit einer Mismatch-Reparatur-Defizienz (dMMR) – einer Eigenschaft, bei der das Reparatursystem der Krebszellen gestört ist und sich besonders viele Mutationen ansammeln. Solche Tumoren können laut Roche auf Immuntherapien ansprechen; sie werden mit einem immunhistochemischen Gewebetest nachgewiesen.
Grundlage ist die Phase-III-Studie ATOMIC mit 712 Patienten, die im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde. Die eine Hälfte erhielt zwölf Zyklen Chemotherapie (mFOLFOX6) plus Atezolizumab und danach rund sechs Monate Atezolizumab allein, die andere Hälfte nur die Chemotherapie. Laut Roche sank das Risiko für einen Rückfall oder Tod um 50 Prozent; die FDA gibt die Hazard Ratio mit 0,50 an. Laut Roche waren nach drei Jahren 86 Prozent der Patienten mit Kombinationstherapie ohne Rückfall, in der Vergleichsgruppe 76 Prozent. Das Sicherheitsprofil entsprach laut Hersteller früheren Studien; die FDA nennt unter anderem immunvermittelte Nebenwirkungen und Infusionsreaktionen als Warnhinweise.
Nach Angaben von Roche haben etwa 15 Prozent der Patienten mit Dickdarmkrebs Tumoren mit dMMR oder hoher Mikrosatelliteninstabilität (MSI-H). Fast jeder vierte Dickdarmkrebs wird im Stadium III entdeckt, und knapp 30 Prozent dieser Patienten erleiden innerhalb von fünf Jahren einen Rückfall. Die Zulassung gilt vorerst nur in den USA; Roche will das Mittel unter anderem bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA einreichen, einen Zeitplan nannte das Unternehmen nicht. Ob die Therapie im Einzelfall infrage kommt, können nur die behandelnden Onkologen beurteilen.
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