Welttag gegen die Todesstrafe: Fall Pike zeigt, wie gespalten die USA sind
Die gescheiterte Hinrichtung von Christa Pike und eine geplante öffentliche Exekution befeuern die US-Debatte. Eine Mehrheit hält die Todesstrafe weiter für gerechtfertigt.

Symbolbild · Foto: Maryland GovPics / Wikimedia Commons, CC BY 2.0 (zugeschnitten und skaliert)
Zum Welttag gegen die Todesstrafe am 10. Oktober steht die Praxis in den USA besonders im Blick. In Tennessee überlebte Christa Pike Ende September zwei Dosen Pentobarbital; Gouverneur Bill Lee setzte die übrigen Hinrichtungen des Jahres aus und ordnete eine unabhängige Prüfung an. Pike war 1996 für den Mord an ihrer 19-jährigen Mitschülerin Colleen Slemmer verurteilt worden. Deren Familie befürwortet die Vollstreckung, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet.
Nach AP-Angaben wurden in den USA in diesem Jahr 30 Menschen hingerichtet, acht weitere Termine stehen an, vor allem in Texas und Florida. Republikanische Abgeordnete in Tennessee brachten nach der Panne den elektrischen Stuhl oder Erschießungskommandos ins Gespräch. Laut einer Pew-Umfrage vom Juli halten rund zwei Drittel der Erwachsenen die Todesstrafe bei Mord für moralisch gerechtfertigt, etwa sieben von zehn sehen aber das Risiko, dass Unschuldige hingerichtet werden.
Befürworter wie der Juraprofessor Robert Blecker fragen, ob die Bürger nicht sehen sollten, was in ihrem Namen geschieht. Die katholischen Bischöfe Tennessees fordern dagegen lebenslange Haft für Pike. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und Europarats-Generalsekretär Alain Berset riefen alle Staaten zu einem sofortigen Hinrichtungsstopp auf; die Todesstrafe sei eine unmenschliche und erniedrigende Behandlung.
Quellen
- AP/ABC News, „A botched execution and plans for one in public show the US is conflicted about capital punishment“, 09.10.2026
- Europarat/EU, „European and World Day against the Death Penalty: joint statement“, 10.10.2026
- Rome Reports, „World Day Against the Death Penalty Comes at a Critical time this year“, 10.10.2026
