Berlin --:--Samstag, 10. Oktober 2026
LIVE
TechnologieNACHRICHTENFAKTENKONTEXT
Technologie ·

Weltpremiere in Lübeck: Netzhautchip PRIMA erstmals nach Zulassung eingesetzt

Am Uniklinikum Schleswig-Holstein hat eine 80-jährige, durch Makuladegeneration erblindete Patientin einen 2 × 2 Millimeter kleinen Netzhautchip erhalten – weltweit erstmals seit der Zulassung.

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck (Archivbild)

Archivbild · Foto: Phasus / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (zugeschnitten und skaliert)

Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck, ist nach Klinikangaben weltweit erstmals seit der Zulassung im Juli 2026 der Netzhautchip PRIMA eingesetzt worden. Die 80-jährige Patientin leidet seit mehr als zehn Jahren an der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) in der fortgeschrittenen trockenen Form, der geographischen Atrophie. Die Sehzellen in der Mitte ihrer Netzhaut sind abgestorben; Gesichter erkennen und Lesen kann sie nicht mehr.

Der nur zwei mal zwei Millimeter große Chip wird unter die Netzhaut implantiert und übernimmt die Aufgabe der abgestorbenen Sehzellen. Eine Spezialbrille mit Mikrokamera sendet Bildsignale und Energie an das Implantat; am 8. Oktober trug die Patientin die Brille zum ersten Mal. Nach der Operation folgt ein intensives Training, um das Sehen neu zu lernen. „Wir erwarten, dass sie durch den Chip eine Lesefähigkeit von mittelgroßen Buchstaben erreichen wird“, sagt Prof. Dr. Salvatore Grisanti, Direktor der Klinik für Augenheilkunde in Lübeck.

AMD ist laut UKSH die häufigste Ursache für Erblindung in Deutschland, betroffen sind mehr als eine Million Menschen. Hersteller des Systems ist das Unternehmen Science Corporation, das im Juli die CE-Kennzeichnung für Europa erhielt. In der multizentrischen Studie mit 38 Patientinnen und Patienten, veröffentlicht im New England Journal of Medicine, gaben 84 Prozent an, wieder Buchstaben, Zahlen und Wörter lesen zu können.

Mehr aus dem Ressort

← Technologie