Äthiopien und Eritrea werfen sich gegenseitig einen Angriffskrieg vor
Addis Abeba spricht in einem Brief an den UN-Sicherheitsrat von einer „umfassenden Invasion“ Eritreas im Norden. Asmara kontert: Äthiopien führe seit Jahren einen Krieg gegen das Land.

Grafik: TERRA WORLD NEWS (eigene Darstellung nach den genannten Quellen)
Am Horn von Afrika wächst die Gefahr eines neuen zwischenstaatlichen Krieges. Äthiopiens Außenminister Gedion Timothewos warf Eritrea in einem am Freitag veröffentlichten Schreiben an den UN-Sicherheitsrat eine „umfassende Invasion“ von Teilen Nordäthiopiens vor. Eritreische Truppen seien bis zu 60 Kilometer tief in die Region Tigray vorgedrungen, schrieb er und forderte ihren Abzug. Das Vorgehen sei ein „eklatanter Akt der Aggression“, der Äthiopiens Recht auf Selbstverteidigung berühre.
Eritreas Informationsminister Yemane Gebremeskel wies die Vorwürfe zurück. Das „äthiopische Regime“ führe seit mehr als drei Jahren faktisch einen „unprovozierten Angriffskrieg“ gegen Eritrea, schrieb er auf X. Er warf Addis Abeba vor, den Konflikt nutzen zu wollen, um den eritreischen Hafen Assab einzunehmen und so wieder Zugang zum Roten Meer zu erhalten. Eine Unterstützung der Tigray-Rebellen durch Eritrea bestritt er.
Die Eskalation folgt auf eine rasche Wende im Krieg in Tigray: Äthiopiens Armee hatte die Rebellen der TPLF zurückgedrängt und die Regionalhauptstadt Mekelle eingenommen. Augenzeugen berichteten zuletzt von eritreischen Soldaten in Adigrat, die anschließend von äthiopischen Drohnen angegriffen worden sein sollen. Vergangene Woche hatte Äthiopien seine Botschaft in Asmara geschlossen und eritreische Diplomaten ausgewiesen, Eritrea brach daraufhin die Beziehungen ab. Ab 1998 hatten beide Länder bereits zwei Jahre lang einen Grenzkrieg geführt.
